Dienstag, 12. April 2016

Rockliebe // naadisnaa



#nähenrockt – das ist ja schon mal klar. Doch wie ist das mit dem Nähen von Röcken? Rockt das auch? Als Anika alias FrauAlberta zur Rockliebe eingeladen hat, war meine erste Reaktion mal „ich bin ja eigentlich nicht so der Rocktyp“ – wie musste ich lachen, als ich genau diesen Ausspruch bei Monika von schneidernmeistern zur Rockliebe las. Anscheinend stellt sich die Frage, ob Röcke rocken, nicht nur mir.
Im Schweizerdeutschen ist ein Rock ja nicht ganz so eindeutig: Ein Rock kann sowohl ein Rock sein, aber auch ein Kleid. Eine kleine Umfrage im Freundeskreis hat ergeben, Rock wird auch hier (inzwischen) eher als Rock verstanden, und doch bleibt Rock missverständlich, denn ein Rock ist bei uns meist ein „Schüpp“, von frz. Jupe, und ein Kleid ein Rock. Aber wenn die Mädchen ein Kleid tragen, dann ist das definitiv ein Röckli. Meine Töchter unterscheiden denn auch zwischen „Oberöckli“ (Kleid) und „Unneröckli“ (Rock oder bei uns Schüppli). Meine Rockliebe – in beiden Bedeutungsvarianten – ist mit dem Selbernähen definitiv gewachsen. In der Tendenz ziehe ich das Kleid dem Rock vor, aus genau dem einen Grund, den Monika schon genannt hat: es ist bequem und die Frage nach dem „obenrum“ entfällt.
Mein anderer Grund, warum ich mich eher nicht als Rocktyp bezeichnen würde, betrifft das „untenrum“: Welche Schuhe ziehe ich an? Schuhe mit Absatz fallen weg, mag ich nicht, finde ich unbequem. Sneakers und Halbschuhe zu Rock oder Kleid, naja … zumal Schuhe in meiner Grösse zu Rock einfach bescheiden aussehen. Stiefel zu Rock gefällt mir eigentlich ganz gut, nur: ich habe bisher noch nie wirklich einen Stiefel in meiner Grösse gefunden, der mir gefällt und bequem ist. Also hängen die winterlichen Röcke meist auch im Winter einfach im Schrank. Immer in der Hoffnung, doch noch irgendwann meine Stiefel zu finden. Auch in den wärmeren Jahreszeiten schiebe ich schuhkauftechnisch immer wieder mal die Krise. Das positive daran: Meine Schuhsammlung ist recht übersichtlich – und den einen Ballerina, den ich wirklich sehr bequem finde, habe ich dann gleich in mehreren Farben – so muss ich mich nur für die Farbe entscheiden. ;-)
Meine weitere Rockanalyse hat ergeben: Reissverschlüsse an Röcken mag ich nicht, die Röcke bleiben meist im Schrank hängen. Das Einnähen eines Reissverschlusses würde ich mir in der Zwischenzeit wohl zutrauen, aber wenn ich den Rock dann nicht trage …
Meine Rockanalyse hat aber auch eine eindeutige Liebe zu Tage befördert: Die Röcke, die ich wirklich viel und gerne trage, sind allesamt Valeska-Röcke, bunt, leicht, unkompliziert, für den Sommer. Mit Flipflops, Sandalen, Ballerinas „untenrum“ und schlichten Sommershirts „obenrum“ zu tragen. Mal einfach so, mal mit Leggings darunter. Mein erster selbstgenähter Rock war eine Valeska, das war vor zwei Jahren, und den mag ich immer noch sehr gerne.
Was mir aber fehlte, war ein Rock, der sich zu all meinen bunten und gemusterten Shirts kombinieren lässt – wenn ich mal nicht Jeans tragen und dafür der Rockliebe frönen möchte. Da kam mir die Rockliebe-Tour gerade gelegen, um mir eine Basic-Valeska zu nähen.
Genäht habe ich sie aus wunderschönem grauen Chambray aus der Eulenmeisterei. Die Taschen habe ich mit doppelt genommenem weissem Nähgarn abgesteppt, ebenso die Seitennähte und den Saum. Den Saum habe ich auf der Innenseite mit passendem Schrägband versäubert. Und tata: Da ich keine Reissverschlüsse mag an frühlingshaften oder sommerlichen Röcken, habe ich einen Bund aus Bündchenware angenäht, super bequem. Ja, und so werde selbst ich zum Rocktyp.
Ziemlich schnell war mir klar, dass ich zu dieser Valeska die korallefarbenen Federn von Nosh aus dem Stoffbüro vernähe. Ich mag die Kombination dieser beiden Stoffe total gerne. Schon bevor ich den Stoff in den Händen hielt, lief mein Kopfkino, zwei Schnitte hatte ich schon bereit gelegt. Und dann lag der Stoff gewaschen am Boden, bereit zum Zuschnitt – und ich habe einen Schnitt ausgegraben, den ich irgendwie gar nicht mehr auf dem Radar hatte: Bessy von allerlieblichst. Und ich bin echt glücklich über mein spontanes Umentscheiden. Die Ärmel habe ich auf ¾ gekürzt und ein Gummiband ins Bündchen eingezogen. Die Passen an Vorder- und Hinterteil habe ich doppelt zugeschnitten und jeweils eine Vorder- und Hinterpasse zuerst an den Schultern und dann die beiden Ausschnitte rechts auf rechts zusammengenäht, dann gewendet. Dadurch habe ich mir ein Ausschnittsbündchen erspart, welches mich optisch zu diesem Schnitt stören würde. Ich finde, die Kombination meiner neuen Valeska mit der Sulka-Bessy ist richtig chic geworden.
Und natürlich wollte ich die Kombinationsfreudigkeit meiner Valeska auch gleich austesten, denn das „obenrum“ kann ja durchaus matchentscheidend sein bei der Rockliebe. Ziemlich beliebig habe ich mal in meine Shirt-Sammlung gegriffen und dabei zum einen eine neue FrauLiese in Grün (aus meiner Charlotta-Sommerkollektion) erwischt, einfach, klassisch, gut. Passt.
Zum anderen habe ich ein absolutes Lieblingsshirt vom letzten Sommer ausgewählt: Eine Raffinessa aus dem Grandmarrakesch von enemenemeins. Sommerlich, legère, ein Alltagsoutfit. Passt!
Ja, nicht nur #nähenrockt, auch Röcke rocken! Und ich habe einen neuen Rock, der definitiv das Potential hat, ein gern getragenes Stück zu werden. Und auf der Rockliebe-Tour habe ich den einen oder anderen Rock gesehen, den ich vielleicht auch zu meinem Rock machen könnte. Wer weiss, vielleicht entdecke ich noch mehr, denn noch ist nicht ausgerockt!
Am Donnerstag geht's bei der Rockliebe und bei mir auf dem Blog raxn-mässig weiter, darauf freue ich mich sehr!

 Lasst uns den Frühling rocken!

Kathrin



Schnitte:

Rock Valeska von Farbenmix

Shirt Bessy mit Änderungen von allerlieblichst

Shirt mit Wickeloptik FrauLiese von schnittreif

Raglanshirt Raffinessa von Elsterglück

Stoffe:

C.PAULI Bio Chambray "Uni Grey", C.PAULI Bio-Bündchen "dark shadow", aus der Eulenmeisterei

NOSH Jersey "Sulka" koralle, aus dem Stoffbüro

Jersey Charlotta Wald und Jersey Grandmarrakesch von envon enemenemeins/Lillestoff      

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