Montag, 24. August 2015

#1000malWillkommen. Oder was Inklusion für mich bedeutet.

Lange schon wollte ich mit einem Gastbeitrag bei Frau Jules „Inklusivem Montag“ mitmachen. Was ich ungefähr schreiben wollte, stand auch schon länger fest, aber irgendwie hat immer der Aufhänger und letzte „Popo-Tritt“ gefehlt. Jetzt ist es soweit und ich bin gespannt, was eure Gedanken dazu sind.
(Schaut unbedingt mal bei Frau Jule vorbei. Da gibts noch mehr Gutes rund um Inklusion.)
Den allerletzten Anstoß für diesen Text gab die letzte Folge„Menschen bei Maischberger“, die ich mir angesehen habe. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich diese hauptsächlich geschaut habe, nachdem ich gehört habe, dass Til Schweiger mal wieder einen interessanten Auftritt hingelegt hat. Es ging um die Flüchtlingsproblematik. Wobei das Wort „Problematik“ schon wieder so gefärbt ist. Besser:  Es ging darum wie die Politik und Gesellschaft damit umgeht, dass immer mehr Menschen nach Deutschland aufbrechen, um hier neue Heimat zu finden.
In den letzten 3,5Jahren meines „Heilpädagogik“-Studiums durfte/musste/sollte ich mich viel mit dem Begriff „Inklusion“ auseinandersetzen. Ich finde schade, dass sich in der öffentlichen Debatte hauptsächlich die Diskussionen auf den schulischen Bereich beziehen. Das hat natürlich seine Gründe, u.a. sicherlich der, dass dies einer der wenigsten Bereiche ist auf die die Bundespolitik in der Bildung wirklich Einfluss hat. Aber gut. Inklusion ist für mich sooo viel mehr. Es ist die Frage, wie wir als Familie, als Freundeskreis, als Dorf, als Stadt, als Land, als Gesellschaft leben wollen. Es geht um den Umgang mit Vielfalt. Inklusion bedeutet für mich die (gelebte) Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt. Und deswegen betrifft es eben die ganze Gesellschaft. Nicht nur Menschen mit einer (drohenden) Behinderung, sondern Migranten, Homosexuelle, Gläubige, Männer, Frauen, mich und dich. Mit all ihren unterschiedlichen Ethiken und Einstellungen, die nicht immer meine sind, die ich aber auch nicht bewerten muss. Menschen sind so vielfältig. Dies anzuerkennen und auszuhalten (!) kann ein Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft sein. (M)Ein Traum. Schwer erreichbar, wie ich glaube.
Denn das ist eine Herausforderung für die Spezie Mensch, wie ich glaube. Fühlt er sich doch mit den vermeintlich gleicheren Menschen wohler und sicherer. Das Fremde, Andersartige macht ihm Angst. Davon nehme ich mich nicht aus.

Und deswegen ist dies ein Aufruf. Platz zu machen im Herzen und im Kopf. Für Menschen, die anders aussehen, denken, fühlen, glauben, sind. #TausendMalWillkommen an die Menschen mit einer Behinderung, die in Armutlebenden, die Menschen mit Migrationshintergrund, die Homosexuellen, Christen, Muslime, Juden, sonstige Religiösen, Flüchtlinge, meinen Nachbarn und meine Freunde, die auch oft so anders sind und die ich trotzdem mag. Schön, dass ihr da seid. Und schön, dass ihr die/ meine Welt bunter macht!

Kommentare:

  1. Das hast Du toll geschrieben! Das ist genau meins. :)
    Liebe Grüße
    Antje

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  2. kannte ich noch gar nicht die Aktion, aber ich stimme 100%ig überein #TausendMalWillkommen

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  3. Ein wunderbarer Text, der kurz und knapp eine große Herausforderung darstellt - meiner Meinung nach vor allem eine Herausforderung für die Herzen unserer Gesellschaft. Den Kopf sollte man nämlich öfter mal ausmachen.

    Lieber Gruß
    Steffi

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  4. Großartig geschrieben! Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße von Doro

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  5. Sehr schön geschrieben! Kurz und knackig, ohne platt zu sein! Kann ich voll unterschreiben! LG Ute

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  6. Dein Beitrag ist auch ##TausendMalWillkommen zu dieser Thematik!
    Fein hast du das geschrieben, ich hab nickend gelesen...

    Liebe Grüße
    Ina

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  7. Ich finde ja ganz ehrlich, dass ich vom Fremdenhass und den typischen Ausländerparolen gegen aktuelle Flüchtlinge (zu) wenig mitbekomme. Vielleicht ganz nett, dass nicht vor der Haustür erleben zu müssen, aber wenn ich das dann im Fernsehen sehe, bin ich schnell dazu geneigt, das als Übertreibung und auch Quotenbringer abzutun.
    In meiner Facebook-Timeline sehe ich nur PRO-Asylsuchende Kommentare (man muss nur die richtigen Freunde haben...;)), aber wenn ich dann solche Videos hier sehe:
    https://www.youtube.com/watch?v=WrYnv0-DibU
    vergeht mir echt alles.
    Klar ist das auch nur ein sehr polarisierender und provozierender Ausschnitt, aber wenn ich mal von deinem Inklusionsgedanken ausgehe, würde das ja bedeuten, wenn ALLE Menschen Teilhabe erfahren sollen, dann ja auch solche, die so einen dummen Müll (sorry!) aus ihrem Mund verlauten lassen...DANN wäre die eigentliche Frage nicht nur: Wie können wir Flüchtlingen beim Ankommen in unserem Land und auf einem Weg zur Integration hier helfen, sondern auch wie können wir die braunen Leute wahrnehmen/ernstnehmen und in unsere Gesellschaft integrieren!?
    Das wäre ja ein ganz schön harter Brocken...


    Ich bin auf deine Meinung gespannt!

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    1. Ein harter Brocken ist das auf jeden Fall. Und auch schwer auszuhalten. Aber in einem Land mit der Freiheit zu freier Meinungsäußerung (Zum Glück!!!) gibt es eben vielfältige Meinungen und auch Meinungen, die nicht meiner Ethik, meiner Religion, meiner Weltanschauung etc. entsprechen. Abwerten bringt hier nicht weiter, denn das macht Mauern nur noch höher. Solange wir uns im selben Rahmen bewegen (und das sind m.E. die deutsche Verfassung und Gesetzgebung) müssen wir uns gegenseitig akzeptieren und aushalten.
      Nebenbei würde ich mir wünschen, dass gerade bei dem Mitläufertum (und davon habe ich meiner Ansicht nach einige im verlinkten Video wahrgenommen) genau hingehört und nachgefragt wird und die auch ernstgenommen werden. Mit ihrem Frust und ihrer Abneigung. Persönliche Gründe haben die bestimmt (vielleicht sog. Wende-Verlierer, die seit 1990 nicht mehr viel gearbeitet haben, jetzt von ihrer mickrigen Rente leben müssen und wo dann vielleicht nachvllziehbarer wird, dass man voller Neid auf die schaut "denen jetzt alles in den Popo geschoben wird").
      Und ob man die "braunen Leute" wirklich in die Gesellschaft integrieren will/ muss, ist die nächste Frage. Vielleicht wollen sie ja gar nicht integriert werden... Inklusion heißt für mich keineswegs, dass alle in alles inkludiert werden müssen. Die Menschen sollen gefragt werden, ob sie das wollen oder nicht... Ich würde also deinen Satz erweitern zu: "wenn alle Menschen Teilhabe erfahren sollen, DIE WOLLEN, dannn ja auch solche..."

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