Samstag, 27. Juni 2015

Gelesen // Roland Jahn: Wir Angepassten. Überleben in der DDR

Dieses Buch habe ich durch Zufall in der Stadtbibliothek entdeckt und es ist gleich ins Körbchen gewandert. Habe ich doch selbst, wie hier schonmal beschrieben, meine ersten sechs Lebensjahre in der DDR verbracht, welche gleichzeitig die letzten sechs Jahre der DDR waren.
Roland Jahn, heute Beauftragter der Stasi- Unterlagen, beschreibt seine Kindheit, seine Jugend und Studentenzeit in der DDR. Er war nicht einverstanden mit diesem Staat, seiner Politik und den Einschränkungen der Freiheit.Und er lebte in diesem Spagat zwischen Anpassung und Opposition. Ein Spagat, den viele DDR- Bürger wohl kannten und ähnlich erlebt haben. Immer wieder die Frage, wie weit kann ich gehen, um meine Meinung sagen zu können ohne dass ich oder meine Familie Nachteile dadurch habe? Ist es Echtheit/ Authenzität wert, wenn man dadurch den Studiumsplatz verliert? Muss ich zu meinen Freunden stehen, darf sie nicht verraten oder darf ich am mich denken und mein Leben stabilhalten? Das waren immer wieder Aushandlungsprozesse, die Roland Jahn beschreibt und die ich auch aus anderen Lebensgeschichten kenne. 
Ich frage mich heute wieviele Bildungskarrieren/ Bildungschancen verhindert worden, weil man eben dem Staat und seiner Führung nicht konform genug war. Mein Papa zum Beispiel durfte nicht studieren, weil er konfirmiert war.
Aber nicht nur von seinem Leben erzählt Roland Jahn. auch von denen seiner Freunde und anderer Menschen. Und immer wieder die Frage: Anpassen oder Widerstand? Widerstand um welchen Preis? Anpassen um welchen Preis?
Ich fand es superspannend dieses Buch im Rahmen von "nachspüren im Juni" zu lesen. Jede Begnung mit solchen oder ähnlichen Geschichten aus der DDR hinterlässt jedes Mal Dankbarkeit für den Staat in dem ich jetzt lebe. Für Demokratie. Für genug Freiheit. Wenn ich mich auf dieser Welt umschaue, ist das nicht selbstverständlich.

Und welche Biographie hast du gelesen? Liest du? Hier kannst du dich noch bis zum 6. Juli verlinken.

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