Donnerstag, 26. März 2015

Gelesen // Klaus Brinkbäumer: Der Traum vom Leben.

Für "nachspüren" im März hatte ich mir keine klassische Biographie ausgesucht, sondern eher eine Reportage mit hohem biografischen Anteil.  John Ampan ist von Ghana nach Europa geflüchtet. Fünf Jahre hat  diese Flucht gedauert. 15 Jahre nach Beginn seiner Fluchtkehrt er zusammen mit Klaus Brinkbäumer zurück nach Ghana. Von seinem Heimatland aus wollen beide denselben Weg der Flucht noch einmal gehen/ fahren. Fünfzehn Jahre lang hat er seine Frau und Kinder nicht gesehen, seine jüngste Tochter noch nie und jetzt kommt es zum Wiedersehen. Alleine das ist bewegend. Und dann geht die Reise los für beide in Richtung Europa. Sie kommen nach Nigeria, Niger und irgendwann Algerien.
Das Lesen hat mich sprachlos gemacht und auch jetz weiß ich nicht wo ich mit Schreiben anfangen und aufhören soll. Soviel Hoffnungslosigkeit und Resignation. Soviel Verbrechen und Missbrauch. Soviel von allem, was es glücklicherweise und unverdienterweise nicht in meinem Leben gibt. Hunger. Eltern, die im Überlebenskampf ihre Kinder in die Prostitution schicken. Soviel Verbrechen der westlichen Länder an Afrika in der Vergangenheit und auch heute. Soviel Hoffnung auf Europa, soviel Europa- Sehnsucht, weil es das Paradies zu sein scheint. 
Das Buch hat mich bewegt und tut es immer noch sehr. Noch bin ich am Einsortieren bei mir. Und noch überlege ich, was ich ganz persönlich damit in meinem Leben anfangen will. Welche Konsequenzen will ich ziehen? Muss ich welche ziehen? Möchte ich welche ziehen? Am liebsten würde ich die deutsche Tür ganz weit aufmachen, kann ich nicht und mein Verstand sagt mir auch, dass das nicht die Lösung sein kann. Mein Herz sagt etwas anderes.
Schon vor dem Lesen war für mich nachvollziehbar, was Menschen zur Flucht treibt. Das passiert nicht leichtsinnig. Zurückgelassen werden Familie, Freunde, Hab und Gut, Heimat. Teilweise sammelt die ganze Familie ihre letzten Groschen zusammen, um eine Person nach Europa zu schicken. Die sind dann Schleusern und den vielen Korruptionen in Afrika gnadenlos ausgeliefert. Und dann kommen sie vielleicht nach viel Un-Menschlichkeit und Qualen ans Mittelmeer, kratzen ihr allerletztes Geld zusammen bzw. warten Tage/ Monate/ Jahre auf einen Platz im Boot nach Europa. Wenn sie dann die Küste Spaniens oder Italiens erreichen, wird die Hoffnung auf ein "Leben im Paradies" ganz schnell ernüchtert und alles war umsonst. Oder es gelingt illegal in Spanien zu bleiben und auf Gemüse-/Obstplantagen als billige Arbeitskraft ausgebeutet zu werden. Und vielleicht kommt mir dieser illegale, heimatlose Flüchtling dann in meinem nächsten Supermarkt ganz nah...
Ihr merkt es, das Buch und sein Inhalt, die Geschichte von John und vielen vielen anderen Afrikanern, die zu Wort kommen, war, ist und hoffentlich auch wird nachhaltig sein. 
Unbedingte Leseempfehlung!
"Wenn du nach dieser Reise Europa endlich erreichst und dann deportiert wirst, das ist so, als wenn ein Soldat nach einem langen Krieg nach Hause kommt und in seiner Haustür auf eine Mine tritt."
Meine (Fast)Namensvetterin Annika hat sich von mir anstecken lassen und sich auch dieses Buch gekauft und gelesen. Sie wird auch noch drüberbloggen. Schaut mal vorbei bei ihr. Nicht nur wegen dem Buch ein toller Blog!

Kommentare:

  1. Danke für deinen lieben Kommentar! Die Schuhe sind von Camper - hat mir ein Mann letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt! Tolle Treter!
    VG alex

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  2. Liebe Annika,

    vielen Dank für deine Buchvorstellung ! Ich denke, ich werde mir das Buch auch besorgen und lesen.
    Wir wohnen hier nicht weit von einem Aufnahmelager für Flüchtlinge entfernt und von daher weiß ich, dass diese auch hier erstmal in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Wenn man bedenkt, dass Afrika die Wiege der Menschheit ist begreift man umso weniger die Ausbeutung speziell dieses Koninentes. Und ich frage mich immer noch, woher Länder sich das Recht nehmen zu sagen: du kommst hier nicht rein !? LG Heike

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