Dienstag, 26. November 2013

Exkursion nach Norwegen// Universität Verstfold// Besuch norwegischer Kindergärten (der Barnehage)


Letzte Woche war ich mit einem Teil meines Studienganges auf Exkursion in Norwegen. Das Thema unserer Exkursion war „Frühkindliche (inklusive) Bildung in Norwegen“. Das man von den Skandinaviern im Bildungsbereich einiges lernen kann, ist wohl kein Geheimnis. Ich bin immer noch schrecklich voll mit meinen Eindrücken. Jetzt kommt also ne Menge Text…
Hafen von Tonsberg
Von Kiel aus fuhren wir mit der Fähre 21 Stunden nach Oslo (schreckliche Fähre….), stiegen auf den Bus um und kamen nach vielen vielen Stunden Anfahrtszeit in unserem Hostel in Horten an. Unsere Professorin hatte einen Kontakt zur Universität Vestfold und so landeten wir in Horten. In Horten angekommen wurde es dann auch schnell dunkel und so blieb nur Zeit für einen Spaziergang im Dunkeln hinunter ans Wasser zum Oslofjord. Nebenbei hab ich den ersten Geocache meines Lebens gemacht…
Am nächsten Tag ging es dann an die Uni von Vestfold. Dort begrüßte uns Thomas Moser, gebürtiger Österreicher und jetzt Professor an der Uni. Den ersten Vortrag unserer Exkursion bekamen wir also auf Deutsch, das war ganz nett zum Ankommen :). Thomas Moser nahm uns mit hinein in das norwegische Bildungssystem und die „Inklusionsgeschichte“ Norwegens. Wahnsinn, wie lange z.B. in Norwegen ein Kind mit einer Behinderung das Recht auf einen wohnortnahen Kindergarten- Platz hat wenn man das mit der deutschen Rechtslage vergleicht.
Seit den 70er Jahren hat man in Norwegen mit der Aufweichung von Spezialgesetzen (und damit auch Spezialeinrichtungen) für Menschen mit einer Behinderung begonnen. Außerdem ist mir das hängengeblieben….
…. In Norwegen gibt es ein Grundverständnis, dass das freie Spiel DAS wichtigste Mittel für die Entwicklung eines Kindes ist

… in den meisten norwegischen Kindergärten ist es ungeschriebenes Gesetz, dass die Kinder nicht mit Tests, etc. angeschaut werden. Jedes Kind und damit jede Entwicklung ist individuell und braucht nicht mit externen Kriterien verglichen werden

… Beobachtet wird aber häufig das System um das Kind herum… und wenn ein Kind warum auch immer auffällt, dann werden die Gründe/ die „Fehler“ sehr häufig im System gesucht und nicht beim Kind

… wenn Kinder beobachtet werden, dann um die Bedürfnisse des Kindes herauszufinden und dann danach handeln zu können. Es geht also darum,. Was der Erwachsene (das päd. Personal) für eine gute Entwicklung des Kindes leisten muss/ soll/ kann/ darf.
Mir ist das Herz aufgegangen. Ist das nicht ein wundervoller Blick auf das Kind und die Institution „Kindergarten“???!
Neben den viiiel besseren Bedingungen (Betreuungsschlüssel, finanzielle Ausstattung) war es die Haltung, die ich gespürt habe, die mich heute noch schwärmen lässt…
Sonnenuntergangsstimmung am Oslofjord
 Am Dienstag haben wir uns dann einen Kindergarten („Barnehage“)  und eine Schule angeschaut. Wie in Norwegen selbstverständlich haben da Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam gespielt und gelernt. Aufgefallen ist mir da die Ruhe und Nicht- Hektik. Besonders schön war die Erfahrung im Kindergarten für mich, dass es erstmal keine gemeinsame Sprache braucht (Englisch konnten die Kinder nicht), um miteinander in Kontakt zu kommen und zu spielen…. Lego kann man auch ohne große Worte miteinander spielen, wenn man sich drauf einlässt.
Ich bin immer noch am Überlegen, warum mich die Ruhe so beeindruckt hat und woher diese Ruhe kommt… Liegt es an der Mentalität der Norweger, dass sie allgemein ein wenig unaufgeregter sind oder spielt tatsächlich der höhere Betreuungsschlüssel die Hauptrolle? Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beiden…
Wikingerschiff im Hafen von Tonsberg
 Den eindrücklichsten Kindergarten haben wir uns am Mittwoch angeschaut. Dieser Kindergarten könnte mich zum Auswandern nach Norwegen motivieren :) Ich kann es kaum in Worte fassen, was ich da erlebt habe. Wenn ich jemals eigene Kinder haben werde, dann wünsche ich ihnen solch einen Kindergarten.  

Einen Ort, wo ihnen Freiheit und Raum zugestanden wird. 
Einen Ort, wo sie wirklich wirklich gesehen werden. 
Einen Ort, wo sie  aber auch eine Ahnung von der Wichtigkeit von Freundschaft und einem guten Miteinander bekommen können. 
Einen Ort, wo nicht erkennbar ist, welches Kind „special needs“ hat und welches nicht. 
Einen Ort, wo Ressourcenorientierung und „Jedes Kind ist willkommen“ nicht nur leere Hüllen sind. 
Einen Ort wo die Pädagogen Kinder einfach Kinder sein lassen und das mit jeder Pore ausstrahlen, ohne dass es irgendwie greifbar ist. 
Einen Ort, wo Kommunikation untereinander so im Vordergrund steht, dass alles getan wird, damit jedes Kind nach seinen Bedürfnissen an Kommunikation teilhaben kann wenn es will. 
Ich kann es kaum beschreiben, was ich da gesehen und wahrgenommen habe. Das war sowas wie ein „Heiliger Moment“…Noch immer merke ich wie es mir schwerfällt, das was ich innen gebunkert und in mein Schatzkästchen gepackt habe :) nach außen zu bringen… Noch immer bin ich aufgewühlt, wenn ich an diese Stunden in diesem Kindergarten denke…Wenn es mir irgendwann gelingt so einen Ort in meiner Arbeit für Kinder zu schaffen, dann bin ich stolz. Kein Druck von irgendwelchen Bildungsplänen, gesellschaftspolitischen Diskussionen, Anforderungen an Kinder, Sprachtests für alle Kinder…. Zurück zu den Wurzeln… Ein Garten für Kinder, indem sie mit Gelassenheit, Aufmerksamkeit, Geduld und Ruhe, dem Blick für ihre Bedürfnisse jedes nach seinem Plan wachsen, gedeihen und blühen können.
Arbeitsraum für die "PreSchoolTeacher"... jeder hat einen eigenen Arbeitsplatz, eigenen Laptop...Und alles bezahlt die Kommune...Der Hammer, oder??!
Am nächsten Tag ging es nach Oslo und wir haben Sightseeing gemacht. Oslo kannte ich schon, aber wir haben uns eine schöne Zeit gemacht, am letzten Tag uns Fisch gegönnt (und uns verboten den Preis in Euro umzurechnen) und Erinnerungen geshoppt. Meine Mitbringsel zeig ich später, ich muss erst noch gute Photos machen. Und dann ging es nach einer Nacht in Oslo und einem kleinem Bummel durch "Grünerlokka" wieder zurück nach Deutschland.
Sonnenuntergang auf dem Deck der Fähre auf der Rückfahrt
 Immer noch bin ich gedanklich ganz viel in Norwegen und hänge meinen „Barnehage“- Eindrücken nach…

Kommentare:

  1. Das hört sich wirklich alles traumhaft an!
    Ich arbeite in einer Kita und mein Traum ist es auch einmal vor Ort in Norwegen zu Schauen und zu Erleben.
    Man kann das ja wahrscheinlich auch erst glauben , wenn man es sieht...
    Und Deine Fotos sind wunderschön geworden!
    Liebe Grüße
    Ina

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  2. Spannendes Thema! Hab auch schon öfter gehört, daß es in Skandinavien um einges besser zugeht, was Kinder betrifft, als hier in Deutschland. Toller Eindruck! Danke für's Teilhaben lassen!
    Ich stöber mal weiter hier... :-)
    LG Mel

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